Konzeption der Berufs- und Studienorientierung am Evangelischen Gymnasium Lippstadt

Unser übergeordnetes Ziel:

Kontinuierliche Anleitung und Betreuung der Schüler in einen aktiven Entscheidungsfindungsprozess für die Studien- und Berufswahl von der Klasse 5 bis in die Jahrgangsstufe 12.

Unsere Leitideen:

  •  Kopplung gesellschaftlicher, beruflicher und sozialer Kompetenzfelder an eine pragmatische Lern- und Erfahrungslandschaft in Wirtschaft und Wissenschaft (z.B. Berufs- und Soziales Praktikum, Berufs- und Studienmessen, Besuch unterschiedlicher Hochschulen), um Sicherheit für die Berufswahl zu vermitteln. Das Konzept ist der individuellen Entwicklungs- und Altersprogression der Schüler angepasst.
  • Analyse und Entscheidungsfindung auf interaktiver Basis: Die Schüler werden zunehmend aktiv Handelnde und übernehmen selbst Verantwortung für ihren Lebensweg (z.B durch den Kompetenzcheck, das Bewerbertraining und den Profilkurs).
  • Individueller Zuschnitt von Angeboten im Sinn des Schulprofils, d.h. kein standardisierter Berufspass oder Internetführerschein, keine Pauschallösungen


„Wir machen definitiv nicht alles, aber alles was wir tun, haben wir gut überlegt!“ (D. Liebscher, Schulleiterin)

Konkret:
Im Laufe ihrer Schullaufbahn sollen die Schüler die unterschiedlichsten Aspekte von Ausbildung, Universität und Beruf aktiv kennenlernen und eine authentische und individuelle Studien- und Berufsfindung erleben. Dabei folgt dies der Leitidee einer Alters- und Entwicklungsprogression der jungen Menschen, die in der Klasse 5 beginnt und bis zum Abitur immer wieder neue Erfahrungs- und Erprobungsfelder eröffnet. Der Schüler bleibt nicht passiver Betrachter einer Angebotsvielfalt, sondern steht partizipativ als aktiv Handelnder im Mittelpunkt des Prozesses.

In der Erprobungsstufe beginnt dies mit turnusmäßigen Einladungen von Menschen, die interessante Lebenswege eingeschlagen haben, ob im Lippstädter Raum oder darüber hinaus.  Schon hier entscheiden die Kinder aktiv mit, wer eingeladen werden soll. Bislang haben sich schon u.a. der Lippstädter Komiker Matze Knoop, der erfolgreiche Handballnationalspieler Michael Kraus oder der Vorsitzende der Diakonie Ruhr Hellweg, Steffen Baumann, vorgestellt und Fragen zu ihren Berufs, Lebens- und Karrierewegen beantwortet.

In der Jahrgangsstufe 7 bemühen wir uns um eine Kooperation mit der Universität Ulm. Zusammen mit einem der führenden deutschen Neurologen und Hirnforscher, Professor Dr. Dr. Manfred Spitzer, sollen in Motivationscoachings Neugier und Lernbereitschaft geweckt und optimiert werden.

In den Jahrgangsstufen 8 und 9 erleben die Schüler die Alltagswelt des Berufs erstmals außerhalb von Schule:
In der Stufe 8 unterziehen sie sich einem Kompetenzcheck, der von einem externen Träger durchgeführt und ausgewertet wird. Die Ergebnisse besprechen die Schüler individuell mit ihren Beratern. Auf der Basis dieses Stärken-Schwächen-Profils lernen sie dann in der Stufe 9 das Berufsleben in der konkreten Praxis kennen und machen ein zweiwöchiges Berufspraktikum.

In der Jahrgangsstufe 10 absolvieren die Schüler ihr dreiwöchiges Soziales Praktikum. Der hier angestrebten Vermittlung christlicher und sozialer Werte und Kompetenzen fühlt sich das Evangelische Gymnasium zutiefst verpflichtet. Die Schüler müssen sich dem Umgang mit Menschen stellen, die sich zum Teil in schwierigen Lebenslagen befinden. Sie sollen erfahren, wie ihnen fremde Menschen in einem für sie ungewohnten Lebenskreis denken, handeln und sich verhalten. Damit eröffnet das Soziale Praktikum Lebenswelten, die in der Schulwirklichkeit nicht vorkommen, ermöglicht die Entwicklung neuer Verhaltensweisen und Wertvorstellungen und vertieft Sensibilität und Bereitschaft zu sozialer Verantwortung. Eine Reflexion des Praktikums findet im Anschluss in den Religionskursen in der Schule statt.

In der Qualifikationsphase konfrontiert ein individuell gestalteter Universitätstag die Schüler mit der Situation nach dem Abitur. Einer umfangreichen Befragung und einem sich anschließenden Ranking folgend, lernen die Schüler studentisches Leben und Arbeiten kennen. Individuelle Neigung und die jeweilige Angebots- und Nachfragesituation bestimmen Form und Ort der Erkundungen. Stets werden diese schulexternen Events von einer umfangreichen Qualitätssicherung für und durch jeden Einzelnen begleitet. So müssen in einer abschließenden Plenumsveranstaltung die individuellen Ergebnisse des Tages dokumentiert und präsentiert werden.

Für die gesamte Oberstufe veranstaltet das EG  alle zwei Jahre eine hausinterne Berufs- und Studienbörse „Find OUT“. Dazu werden in einem wiederum durch die Schüler bestimmten Auswahlverfahren Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, öffentlichem Leben und Verwaltung eingeladen. Sie stehen an separaten Messeständen den Schülern für Gespräche und Nachfragen ebenso zur Verfügung, wie berufserfahrene Spezialisten aus der Elternschaft oder Studierende, die als ehemalige EG’ler gern an ihre Schule zurückkommen. 2013 waren mehr als 70 unterschiedliche Studien- und Berufsrichtungen für den Austausch präsent. Darüber hinaus wurde mit dem Aufbau eines ALUMNI-Netzwerks begonnen, das den zukünftigen Absolventen praktische Tipps und Unterstützung beim Einstieg in Berufs- und Studienleben bieten wird.

Schülern von Stufe 9 bis 12 bieten die verschiedenen Kooperationspartner des Evangelischen Gymnasiums (BHTC, Stadtwerke Lippstadt und die Diakonie Ruhr Hellweg sowie der HSHL und die FH-Südliches Westfalen) Gelegenheit, Erfahrungen in Tages-, Ferien- oder Auslandspraktika zu sammeln.

Das EG ist seit vielen Jahren Partner des ZDI (Zukunft durch Innovation). Mit der WFL (Wirtschaftsförderung Lippstadt) lernten Schüler der EF 2013, dass Zusammenarbeit mit der Wirtschaft eine für beide Seiten fruchtbare Erfahrung sein kann. In dem Projekt „Schüler denken Lippstadt“ interviewten sie ein innovatives Lippstädter Unternehmen im Hinblick auf Produktionsprozesse, Betriebsklima etc. und entwickelten mit den Mitarbeitern Alleinstellungsmerkmale, die Aufnahme in die Webpräsenz des Unternehmens fanden. Dass der WDR 3 dieses Projekt begleitete und im Regionalfernsehen dokumentierte, eröffnete dieser Lerngruppe eine zusätzliche Dimension medialer Erfahrung.

Ein freiwilliger „Profil-Kurs“ für Schüler der Qualifikationsphase vermittelt in videofeedback–gestützten  Coachings wichtige Erkenntnisse für Bewerbungsverfahren, Selbstpräsentation und den Umgang mit Präsentationsmedien. Selbstverständlich werden auch der korrekte „Dress Code“ sowie das Auftreten und Benimm- und Gesprächsregeln im Bewerbungsgespräch und im Assessment in der Praxis mit den Kooperationspartnern trainiert.

Das Konzept „Schüler helfen Schülern“ und die Schülermitarbeit in der Lernzeitbetreuung ermöglichen es den älteren Schülern, erste Erfahrungen im Unterricht geben mit der Wahrnehmung ihrer sozialen Mitverantwortung zu verbinden. Beide Möglichkeiten werden durch erfahrene Mütter begleitet.

Und schließlich sichert eine langjährig erprobte enge Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit den schnellen Zugang zu Experten des Arbeitsmarktes.