Hausaufgabenkonflikte entschärft

Der Ganztag aus der Sicht der Eltern

Als wir uns im November 2008 mit dem Thema weiterführende Schulen beschäftigten, war ein Aspekt dieser Überlegungen der gebundene Ganztag am EG. Da meine Frau ebenfalls berufstätig ist,  hätte der Ganztag gut in unseren Wochenablauf gepasst. - Doch wir hatten auch sehr große Bedenken. Zum einen fällt es – nach meiner Erfahrung – Eltern immer schwer, die Kinder ein Stückchen  mehr in die Unabhängigkeit zu entlassen, und zum anderen verliert die Familie gemeinsame Zeit.

Ein Schultag, der bis 15:30 Uhr andauert, war in unserer Vorstellung sehr anstrengend. Von außen war es auch recht schwer, sich eine Meinung zum Ganztag am EG zu bilden, da dieser ja noch  nicht existent war. Es war nicht möglich, Freunde  oder Bekannte nach ihrer Einschätzung zu fragen oder über ihre Erfahrungen berichten lassen.

Mutig auf neuen Wegen

So waren wir unschlüssig, ob wir unser Kind zum Ganztag anmelden sollten oder nicht. Zu dieser Zeit hatten wir die Information,  dass der neue Jahrgang am EG komplett als Ganztag  durchgeführt werden würde. Da unsere Wunschschule das EG war, haben wir uns dann mit der Entscheidung für das EG auch für den Ganztag entschieden. Die ersten Tage in der neuen Schule verliefen für unsere Tochter angenehm, und sie ging morgens fröhlich und und gut gelaunt zur Schule. Aber die Tage waren auch sehr lang und anstrengend. Die Umstellung von der Grundschule zur weiterführenden Schule war durch die langen Schultage nicht einfacher geworden. Für unsere Tochter heißt Ganztag konkret, dass sie an drei Tagen in der Woche bis zur neunten Stunde, also  bis 15:30 Uhr, in der Schule ist. Der Unterricht erfolgt im ersten Teil des Schultages bis zum Ende der fünften Stunde. In der sechsten Stunde wird dann gemeinsam eine warme Mahlzeit eingenommen. Nach dem Essen haben die Schüler noch etwas Zeit, um sich auszuruhen, zu spielen oder sich zu bewegen. Die siebte Stunde wird bei der Hausaufgabenbetreuung verbracht. Die Hausaufgabenbetreuung soll erreichen, dass an den Tagen des Ganztagsunterrichts keine Hausaufgaben außerhalb der Betreuung erledigt werden müssen. In der achten und neunten Stunde ist  ann erneut Unterricht.

Aller Anfang ist schwer

In den ersten Wochen war die Eingewöhnung für unsere Tochter anstrengend und sowohl inhaltlich als auch zeitlich fordernd. An den Doppelstundenrhythmus musste sie sich ebenfalls erst  gewöhnen. Bei allen positiven Aspekten, die sich durch den Doppelstundenrhythmus ergeben, ist auch diese Umstellung eine Herausforderung für die Schüler der fünften Jahrgangsstufe. Die  durch den Ganztag zusätzlich miteinander verbrachte Zeit und die drei Mahlzeiten pro Woche, die gemeinschaftlich eingenommen werden, förderten die Bildung einer guten Klassengemeinschaft. Das Essen scheint nicht immer ganz den Vorstellungen der Schüler zu  entsprechen. Hier scheint es noch Verbesserungspotential zu geben. Der Neubau der Mensa wird hier sicherlich einen  deutlichen Schritt nach vorn bedeuten.

Vorteile zeichen sich rasch ab

An den Ganztag-Schultagen beginnt für die Schüler die freie Zeit nach der letzten Stunde, also um 15:30 Uhr. Stellt man sich einen „normalen“ Schultag bis zur sechsten Stunde mit  anschließender Mittagspause und den noch zu erledigenden Hausaufgaben vor, so endet dieser Schultag - nach meiner Vorstellung - zu einer vergleichbaren Zeit. Inhalte wie Freiraumunterricht und „Lernen lernen“ und die Zusammenarbeit der Schüler in der Hausaufgabenbetreuung sind ein besonderer Bestandteil des Ganztagsunterrichts und im normalen Stundenplan nur schwer  unterzubringen. Insbesondere die Inhalte und Methoden des „Lernen lernen“ haben mich sehr positiv überrascht. Hier sind organisatorische und methodische Punkte klar gegliedert in einem  Skript zusammengefasst und schülergerecht aufbereitet.

Es ist die richtige Wahl

Unser Fazit zum gebundenen Ganztag, nach nunmehr etwas mehr als einem halben Schuljahr fällt positiv aus. Die Eltern werden von der Hausaufgabenbetreuung entlastet. Das Verhältnis der  Kinder zu ihren Eltern wird in puncto Erledigung der Hausaufgaben entschärft. Die Rückmeldungen meiner Tochter bestätigen diesen Eindruck, und wir sind der Meinung, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Josef Koch