Der Ganztag am Evangelischen Gymnasium

Im Jahr 2008 traf die Schulgemeinde des Evangelischen Gymnasiums eine wichtige Entscheidung mit Weitblick: Die Schulkonferenz beschloss, die Schule als ein Gymnasium im gebundenen Ganztag führen zu wollen, und der Schulträger, die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW), unterstützte diese Entscheidung und den entsprechenden Antrag an das Ministerium für Schule und Weiterbildung in Düsseldorf. Seitdem entwickelt die Schule in alljährlichen Evaluationen die Qualität ihres Ganztagsbetriebs weiter und passt sie den Bedürfnissen aller Beteiligten an. Feintuning ist stets zeitaufwändig, aber die hohe Zufriedenheit aller zeigt, wie sehr es sich lohnt.
 
Als erstes Gymnasium der EKvW im gebundenen Ganztag nahm das EG zum einen die veränderten gesellschaftlichen Lebenskonzepte in den Familien seiner Schüler und zum anderen die Belastungen und Schwierigkeiten der verkürzten Gymnasialschulzeit (G8) in seine Bemühungen um eine gute Schule für die Kinder auf.

Das Ganztagsgymnasium leistet vieles, für das im Halbtag keine Zeit bleibt:
Es entlastet die Eltern an vielen Stellen und ermöglicht in der freien, gemeinsamen Zeit eine entspanntere und vielleicht dadurch innigere Familiensituation, es gibt dem Kind mehr Zeit zum Lernen mit anderen Kindern und den Lehrern zusammen, es regt neue Interessen an und ermöglicht die individuelle Förderung des einzelnen Kindes in viel höherem Maße als bisher schon. Der rhythmisierte und begleitete Nachmittag hilft, die Kinder vor übermäßiger digitaler Netzwerk-, Fernseh- und Computernutzung zu schützen, er vertieft die realen Beziehungen zwischen Schülern, aber auch zwischen Schülern und ihren Lehrern, weil man einfach mehr Zeit miteinander verbringt. Um kindgemäß lernen zu können, brauchen junge Menschen die Struktur eines Tagesablaufs mit angemessenen Pausen, gutes und gesundes Essen, Ruhe- und Inspirationsphasen und die Zeit und den Raum für angeleitetes Lernen sowie die Nutzung der Lernzeit ab Mittag.

So realisieren wir eine wirksame Ausbildung: Im letzten Schuljahr musste ein einziger Schüler das Schuljahr wiederholen und kein Schüler verließ das Gymnasium wegen schlechter Noten. Wir haben die Entwicklung eines jeden Kindes im Blick, indem die Klassenlehrer mit ihren Kollegen regelmäßig Rücksprache über die Schüler nehmen, in Konferenzen über den Einzelnen und die Klassenentwicklung beraten und ihre Schüler individuell an die nachfolgenden Klassenlehrer übergeben. Zum sozialen Lernen laden wir externe Trainer ein und integrieren oft erlebnispädagogische Aspekte in unsere Klassenfahrten in Stufen 6 und 9. Der Informationsfluss zwischen den Lehrern verhilft dazu, dass kein Kind verloren geht. Für individuelle und klassengemeinschaftliche Schwierigkeiten haben wir Berater ausgebildet und ihnen Sprechstunden und eigene Räumlichkeiten ermöglicht, damit jedes Kind ein Ohr finden kann für seine Kümmernisse. Leistung hängt ab von Heimat und Geborgenheit und das wiederum davon, dass Lehrer ihren Schülern persönliche Aufmerksamkeit widmen. Daran arbeiten wir gemeinsam.

Diejenigen Kinder, die in sehr intensiver Weise außerschulisch engagiert sind, z.B. in Fußball- und Turnmannschaften oder in Ensembles in der Musikschule, können dieses Engagement anstelle der innerschulischen Stunden zur Neigungsförderung einbringen, denn das EG kooperiert mit den Vereinen und musischen Ausbildern in unserer Stadt. Das schützt die Kinder vor Überbelastung und Zeitstress. Bei aller Sorgfalt, Kinder optimal auszubilden und auf die Zukunft vorzubereiten, müssen sie Kinder bleiben dürfen und Eltern und EG ziehen da an einem Strang. 

Nach fünf Jahren Erfahrung mit dem gebundenen Ganztag am Gymnasium können wir sagen:
Wir haben 2008 die richtige Entscheidung getroffen und entwickeln den Ganztag weiter mit dem Ziel, für unsere Schüler die bestmöglichen Lern- und Lebenschancen zu realisieren und ihnen eine schöne Schulzeit zu ermöglichen.

Dagmar Liebscher, 25.08.2014