Konzept der individuellen Förderung am Evangelischen Gymnasium Lippstadt

Schulpolitische Anforderungen und Herausforderungen

Das Schulgesetz NRW formuliert den Leitgedanken einer individuellen Förderung:

§2 (4) „Die Schule vermittelt die zur Erfüllung ihres Bildungs- und Erziehungsauftrags erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Werthaltungen und berücksichtigt dabei die individuellen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler …“

§2 (8) „Drohendem Leistungsversagen …begegnet die Schule unter frühzeitiger Einbeziehung der Eltern mit vorbeugenden Maßnahmen.“

§2 (11) „Besonders begabte Schülerinnen und Schüler werden durch Beratung und ergänzende Bildungsangebote in ihrer Entwicklung gefördert.“

Durch unsere schulische Arbeit realisieren wir ein Förderkonzept, das die von allen Kolleginnen und Kollegen getragenen Leitideen zur individuellen Förderung, die Maßnahmen und die Bereiche schulischer Praxis  aufeinander bezieht, miteinander vernetzt und kontinuierlich weiter entwickelt.

  • Dazu gehört der Förderunterricht in der Unter- und Mittelstufe, der die Kernfächer Deutsch, Mathe, Englisch, Latein und Französisch umfasst sowie in den Stufen 6 und 9 sog. Forderkurse mit Projektcharakter vorsieht.
  • In der Unter- und Mittelstufe stehen Schülertutoren für die Hausaufgabenbetreuung sowie Kollegen/innen und Schüler/innen für Einzelunterstützung zur Verfügung.
  • Seit 2013 gibt es eine Lernberatung für Schülerinnen und Schüler, die erhebliche Lerndefizite aufweisen und deren Versetzung gefährdet ist. Nach Absprache zwischen den betreffenden Fachlehrern, Klassenlehrern, den Lernberatern (Lehrer/innen, die an einer entsprechenden Fortbildung teilgenommen haben) und den Schüler/innen erfolgt eine relativ kurzfristige, aber intensive Lernbegleitung. Die Teilnahme beruht auf Freiwilligkeit.
  • In der Oberstufe liegt das Augenmerk auf studien- und berufswahlvorbereitenden Maßnahmen. Differenzierungsmöglichkeiten bieten sich hier u.a. durch Facharbeiten, universitäre Veranstaltungen, berufswahlvorbereitende Maßnahmen wie die Kooperation mit BHTC und den Stadtwerken Lippstadt, die Bewerbungsvorbereitung durch „Mein Profil“ (Assessment-Training), soziales Praktikum und Vertiefungskurse.
  • Der rhythmisierte Schulalltag schafft durch das Doppelstundenprinzip an unserer Schule gute organisatorische Rahmenbedingungen für die Anwendung differenzierender Unterrichtsmethoden.

Unser Förder- und Forderkonzept:

Stufe 5.1Leseförderung in Anbindung an das Fach Deutsch;
Neigungsfach;
Freiraum
Stufe 5.2Förderunterricht in Mathematik und Deutsch;
Neigungsfach;
Freiraum
Stufe 6.1Förderunterricht in Mathematik und Englisch; Einsetzen des Forderkurses "Herausforderung";
Neigungsfach
Stufe 6.2Förderunterricht in Deutsch, Französisch und Latein;
Forderkurs "Herausforderung";
Neigungsfach
Stufe 7.1Förderunterricht in Mathematik und Deutsch;
Neigungsfach
Stufe 7.2Förderunterricht in Mathematik und Deutsch;
Neigungsfach
Stufe 8.1Förderunterricht in Englisch, Französisch und Latein
Stufe 8.2Förderunterricht in Englisch, Französisch und Latein
Stufe 9.1Förderunterricht in Mathematik, Französisch und Latein;
Einsetzen des Forderkurses "Herausforderung"
Stufe 9.2Förderunterricht in Mathematik, Französisch und Latein;
Forderkurs "Herausforderung"

 

 

Pädagogische Vorüberlegungen

In allen Kursen wird binnendifferenziert, je nach Lerntempo, Leistungsstand oder Übungsschwerpunkten, gearbeitet. In den Erprobungsstufenkonferenzen der Unterstufe sowie in den Zeugnis- und Förderkonferenzen erfolgt ein regelmäßiger Austausch über die individuellen Förderprofile der Kinder durch die Fachlehrer, die, gemeinsam mit den Klassenlehrern, eine Einteilung in die angebotenen Förder- und Forderangebote vornehmen. Hier werden ebenfalls Ausgangslagen, Entwicklungsziele und Möglichkeiten gezielter Unterstützung einzelner Kinder besprochen und dokumentiert: Zusätzliche Hausaufgabenbetreuung am Dienstag oder Freitag? Einzelnachhilfe durch "Schüler helfen Schülern"? Lernberatung?


Begabtenförderung

Um den  guten und sehr guten Schülern gerecht werden zu können, wird in den Förderkonferenzen über deren Teilnahme an den Kursen „Herausforderung“ beraten. Genauere Informationen zu unserer Begabtenförderung finden Sie hier.                           
Die Förderkonferenzen bieten ebenfalls das Forum für die Evaluation, d.h., die Maßnahmen werden auf den Prüfstand gestellt, Rückmeldungen über Lernerfolge bzw. deren Ausbleiben ausgewertet, Alternativen diskutiert. Speziell die Lernstandserhebungen in Stufe 8 und deren Auswertung stellen eine Grundlage für Beratungen zu adäquaten Fördermaßnahmen dar. Über vereinbarte Beratungsgespräche oder an Sprechtagen wird mit den Eltern Rücksprache gehalten.

Die Zeugnisse weisen die Teilnahme an den Förderkursen aus und geben Auskunft über das Engagement der Schüler/innen (mit großem Erfolg teilgenommen, rege teilgenommen, teilgenommen).

Generell sind ein permanenter Austausch und Absprachen zwischen den beteiligten Fach- und Förderlehrern über Inhalte des Fachunterrichts, Förderbedarf und Lernentwicklung der Schüler selbstverständlich und finden regelmäßig statt.

In Absprache mit den Fachlehrern werden die Förderschwerpunkte für jede Stufe festgelegt. So erscheint beispielsweise die Förderung im Fach Englisch erst in Stufe 6, nach einem Jahr der Eingewöhnung (das gilt für die Kinder wie für die Fachlehrer!) sinnvoll.  In 6.1 diagnostizieren die Fachlehrer erste Leistungsstände in Französisch bzw. Latein, können also in 6.2 entsprechende Einteilungen vornehmen. Erfahrungsgemäß wird es für die Schüler/innen in Stufe 8 mit den Sprachen schwerer, also liegt hier der Schwerpunkt komplett auf Latein, Französisch und Englisch. Im Hinblick auf Versetzung und Wechsel in die Oberstufe wird in der Stufe 9 neben den Fremdsprachen nochmals ein Mathematikförderkurs eingerichtet.

Grundsätzlich gilt für den Förderunterricht das Fachlehrerprinzip, der jeweilige Fachlehrer der Klasse ist folglich auch der Förderlehrer. Das gilt nicht für die zweiten Fremdsprachen, da hier im Regelunterricht klassenübergreifend unterrichtet, entsprechend auch klassenübergreifend gefördert wird.

Alle Anstrengungen seitens der Schule und der verantwortlichen Lehrkräfte sind in ihrem Erfolg maßgeblich abhängig von Offenheit, Aufnahmebereitschaft und Akzeptanz der Schüler/innen und der Unterstützung der Eltern.

- Stand März 2015 -

Unterstufenförderung im Detail:

Die Neigungsangebote in den Stufen 5-7 beinhalten anwählbare Themen aus den Bereichen der Naturwissenschaften, Kunst, Musik und Sport sowie kreatives Schreiben, Schreiben am PC und Technik. Vorlesewettbewerbe, „Känguru“ Mathematik-Olympiade, die DFB-Talentförderung, abwechslungsreiche AG-Angebote, Lernzeitbetreuung über den Ganztag hinaus (freiwilliges Angebot) und das Programm „Schüler helfen Schülern“ ergänzen das Programm. Hinzu kommen speziell in der Stufe 5  die ganzheitliche Förderung im Freiraum (Projekte u.a. zu Musical oder Theater) und die Förderung eines vernetzten naturwissenschaftlichen Denkens durch drei Wochenstunden des Faches „Naturwissenschaften“.

Vor Beginn des Schulunterrichtes können die Eltern gemeinsam mit ihrem Kind einen Bogen zur Einschätzung des Lernstandes (Arbeitsverhalten, Lerngewohnheiten u.a.) ausfüllen und abgeben. Die betreffenden Klassenlehrer erhalten schon hier erste Einblicke in individuelle Ausprägungen ihrer Schützlinge.

In Stufe 5.1 findet zunächst eine Leseförderung in Anbindung an das Fach Deutsch statt. Das diesbezügliche Konzept ist für alle 5er-Klassen gleich und soll Grundtechniken wie erschließendes Lesen von Sachtexten wie fiktionalen Texten und Aufgabenverständnis trainieren. Die Schlüsselkompetenz "richtiges Lesen" ist grundlegend für alle anderen Fächer und nicht nur auf das Fach Deutsch bezogen.

In Stufe 5.2 werden die Schülerinnen und Schüler mit einer Wochenstunde in den Fächern Deutsch und Mathematik durch die Fachlehrer der jeweiligen Klassen gefördert. In den Erprobungsstufenkonferenzen und Förderkonferenzen am Ende des ersten Schulhalbjahres erfolgt eine Einschätzung des individuellen Förderprofils der Kinder durch die Fachlehrer, die, gemeinsam mit den Klassenlehrern, eine Einteilung in die angebotenen Fächer vornehmen. Hier werden ebenfalls Ausgangslagen, Entwicklungsziele, Möglichkeiten gezielter Unterstützung einzelner Kinder wie z.B. zusätzliche Hausaufgabenbetreuung am Dienstag oder Freitag besprochen und dokumentiert.

Das Fach Englisch wird in Stufe 5 noch nicht angeboten, da hier die Ausgangskenntnisse der Schüler/innen noch sehr heterogen sind und ein sofort einsetzender Förderunterricht wenig sinnvoll erscheint.

In Stufe 6.1 findet Förderunterricht in den Fächern Englisch und Mathematik statt, ebenfalls durch die Fachlehrer der jeweiligen Klasse. Zusätzlich gibt es für gute und interessierte Schüler/innen einen Forderkurs mit Projektcharakter ("Schüler forschen").

In Stufe 6.2 läuft der Forderkurs weiter, Förderkurse in Latein und Französisch setzen neu ein, um etwaig auftretenden Anfangsschwierigkeiten entgegnen zu können. Das Textverständnistraining, in 5.1 begonnen, wird in einem Förderkurs Deutsch weiter vertieft und gefestigt.

Mittelstufenförderung im Detail:

In der Mittelstufe werden individuelle Neigungen und Interessen ebenfalls facettenreich gefördert: Schüleraustausch, Betriebspraktikum (obligatorisch), Mobbing-Prävention und Sanitäter-Ausbildung sowie Teutolab Mathe/Chemie bieten interessante Teilnahmemöglichkeiten. Durch die Beibehaltung des Geschichtsunterrichts in Stufe 7 mit Fokus auf die Epoche des Mittelalters lässt sich am Ende des Schuljahres ein gegenwartsgenetisch ausgerichtetes zweitägiges Projekt umsetzen, das in Zusammenarbeit mit Museumspädagogen in Soest stattfindet.

In Stufe 7.1 werden Förderkurse in Deutsch und Mathematik angeboten, für die Fremdsprachen kann die Maßnahme "Schüler helfen Schülern" in Anspruch genommen werden.

In Stufe 7.2 läuft obiges Programm weiter, um Kontinuität und Nachhaltigkeit zu gewährleisten.

In Stufe 8.1 findet Förderunterricht in Englisch, Latein und Französisch statt.

In Stufe 8.2 läuft diese Förderung weiter.

In Stufe 9.1 wird der Forderkurs wieder aufgenommen. In Absprache mit den Schülern sind hier Projekte in Anknüpfung mit der Fachhochschule, dem Kunstverein, dem Stadtarchiv u. a. möglich. Zusätzlich gibt es je einen Förderkurs in Mathematik, Latein und Französisch.

In Stufe 9.2 läuft diese Förderung weiter.

Begabtenförderung am EG – Konzept „Herausforderung“

    (= Teilkonzept der individuellen Förderung am Evangelischen Gymnasium Lippstadt)

Schulpolitische Anforderungen und Herausforderungen

Das Menschenbild am Evangelischen Gymnasium betont es in seinem Leitbild: Jeder Schüler ist in seinen Schwächen und zu Stärken fördern! Oft werden die Stärken übersehen, wird nur auf die Minderung der Schwächen geschaut. Schlimmer noch, wenn die guten, sehr guten Schüler keine eigene intellektuelle Förderung erfahren können.
Auch in der Begabtenförderung müssen Ziele, Methoden und Maßnahmen im Kollegium vernetzt und weiterentwickelt werden. Hier liegt aber auch in den Schülern großes Potential, diese Prozesse aktiv mitzusteuern und kritisch zu reflektieren.
Das EG führt die Begabtenförderung intensiv seit 1994 durch und verfügt über viel Erfahrung in der Entwicklung und Einschätzung von Förderkonzepten. Das heute praktizierte  Konzept berücksichtigt die Bedingungen durch G8, nutzt den gebundenen Ganztag an unserer Schule und konzentriert sich zurzeit auf zwei Förderschienen, die an den Übergängen zwischen Unter- und  Mittelstufe bzw. Mittel- und Oberstufe liegen, d.h. in der 6 und 9, unsere  sogenannten Forderkurse mit Projektcharakter.

Unser Förderkonzept für begabte Schüler:

Um Stärken nachhaltig, über die im Klassenverband geschulten Basis- und Schlüs­selqualifikationen hinaus, auszubauen, werden die Schüler einzeln angesprochen, beraten und unterstützt, damit sie in Bereichen arbeiten können, die ihnen im Regelunterricht nicht offenstehen, sie aber individuell ansprechen und interessieren. So verstehen wir „Förderung und Forderung“ und fassen das zusammen als „Herausforderung“.
Be­sonderer Wert wird darauf gelegt, die Bedeutung des Netzwerkens zu vermitteln: Der Bogen spannt sich von den schuli­schen und lehrerbezogenen zu den von Schülern aufzubauenden Netzen und Mitteln.

Organisation von „Herausforderung“ in Stufen 6 und 9:

Jahrgangsstufe 6 - nach Klassen getrennt im 1. Halbjahr, klassenübergreifend im 2. Halbjahr im Rahmen des curricularen Förderunterrichts

Jahrgangsstufe 9 - klassenübergreifend im Rahmen des curricularen Förderunterrichts

Im ersten Halbjahr lernen alle Schüler der „Herausforderung“,

  • sich eine sie selbst interessierende Themenstellung zu suchen - Leitmotiv: „Was ich schon immer einmal wissen wollte.“,
  • Literatur - jenseits von Wikipedia - zu recherchieren und ihre Qualität zu hinterfragen,
  • eine realistische Idee zu erarbeiten mit dem Ziel einer Präsentation für die Eltern und Freunde am Halbjahresende,
  • eine Projektstruktur zu erarbeiten und zu präzisieren, je mehr sich das Projekt entwickelt,

  • die Zeitstruktur ihres Projektes zu planen und einzuhalten (straffe Zeitplanung in Wochenpen­sen; erster Entwurf fertig vor Weihnachten; Ferienaufträge; zweiter Entwurf fertig nach den Ferien; Konzipieren von Ausstellungen und das Üben der Präsentationen oder des Vorlesens des eigenen Romans) und

  • Ende Januar oder Anfang Februar ihre Ergebnisse zu präsentieren. Bewertet wird nicht die Prä­sentation selbst – dieser Tag gehört den Schülern. Die Herausforderung war der Weg der Lern- und Arbeitsprozesse der Schüler bis zu dem Moment des Vortragens der Ergebnisse.

Im zweiten Halbjahr lernen die Schüler der Stufe 6,

  • ein der Schule und Schülern nützliches Betätigungsfeld zu suchen; durch die Clustermethode bil­den sich Gruppen; hinzu kommen gegenüber dem 1. Halbjahr die soziale Komponente und die Zusammenarbeit, der Blick für die Gemeinschaft,
  • bei den Arbeitsabläufen wiederum der Struktur des ersten Halbjahres zu folgen,
  • zu erkennen, was eine riesige Herausforderung nach sich zieht: Die Schüler erfahren, dass nicht alles geht, was man möchte, und dass man wie im wahren Leben nach Kompromissen suchen und solange verhandeln und nachdenken muss, bis man zufrieden sein kann und
  • bewertet zu werden für ihre Arbeit außerhalb des Fächerkanons und für ihre Einsatzbereit­schaft, für die Sache zu streiten.

Im zweiten Halbjahr lernen die Schüler der Stufe 9,

  • wissenschaftspropädeutisch an einem schulfachlichen Thema zu arbeiten, in Einzelarbeit und oberstufenvorbereitend,
  • bei den Arbeitsabläufen dem Konzept des ersten Halbjahres zu folgen,
  • soviel Wert auf Qualität zu legen, dass ihre Beiträge eine Chance bei Wettbewerben haben können bzw. in unsere Schriftenreihe „Kreative am EG“ aufgenommen werden und
  • ihre Ergebnisse innerhalb des Kurses zu präsentieren und Gruppenfeedback zu geben und zu bekommen.

Die Ergebnisse sind eine wahre Freude!


Stand 10.03.2015