"Päda ist kein Laberfach..."

Zunächst einmal sollte man sich den Unterschied zwischen Erziehungswissenschaft und Pädagogik klarmachen: Pädagogik ist die praktische Ausübung der Erziehungswissenschaft. Erziehungswissenschaft wiederum ist die Lehre von der Erziehung. Im Pädagogikunterricht beschäftigt man sich zwar überwiegend mit der wissenschaftlichen Seite dieser Disziplin, jedoch mit dem Ziel Schüler zu mündigen Bürgern zu erziehen, und sie daher nicht mit bloßem Wissen anzufüllen, sondern ihnen Bildung zu vermitteln, die sie in ihrem späteren Leben voranbringt.

Noch genauer erklärt dies der Verband der Pädagogiklehrer:

Erziehung müssen alle lernen!

"Lernen, wie man Menschen informiert und anleitet. "

In Familien und in den meisten Berufen hat man Umgang mit anderen Menschen. Man muss daher wissen, wie man sie anleitet, wie man sie motiviert und informiert; wie man ihnen vernünftig sagt, was gut und was schlecht ist, was sie gut, aber auch, was sie falsch gemacht haben.

Im Pädagogikunterricht erfährt man alles über die Grundlagen des Umgangs mit Menschen - und wie man damit den Alltag in Beruf und Familie besser bewältigen kann.

"Erziehungsnotstand verringern. "

Politiker, Wirtschaftsverbände, Richter, Polizisten, Lehrer - sie alle beklagen einen Erziehungsnotstand: Es werde in den Familien zu wenig oder falsch erzogen. Kinder würden vernachlässigt - es gebe auch eine Wohlstandsverwahrlosung.

Im Pädagogikunterricht lernt man, Erziehung als wichtige und lebenslange Aufgabe zu verstehen. Man lernt alles über die Grundlagen der Erziehung. Man lernt, wie man erzieht - und warum man alle Menschen kompetent machen muss, die Erziehungsaufgaben im Leben haben werden. Pädagogikunterricht wartet nicht, bis es zu spät ist. Er sorgt, wenn noch Zeit ist, für die Zukunft.

"Lernen, wie man mit Kindern umgeht. "

Kinder sind unsere Zukunft. Nur muss man wissen, wie man mit Kindern angemessen umgeht. Denn Kinder sind anders. Sie denken und handeln anders.

Im Pädagogikunterricht lernt man alles Wichtige, was man heute über Kinder weiß. Man versteht, Kinder zu verstehen. Und man lernt, Kinder zu fördern, nachmittags in der Jugendgruppe und später als Mutter oder Vater.

"Lernen, wie man vom Kind zum Erwachsenen wird. "

Wir verändern uns in unserem Leben. Wir durchlaufen besondere Phasen, durchstehen Krisen: Mit uns geschieht etwas, was sich nicht leicht verstehen - aber auch nicht ignorieren lässt.

Im Pädagogikunterricht lernt man etwas über die Entwicklung vom (jungen) Menschen zum (alten) Menschen. Man lernt, die Veränderung des eigenen Denkens und Fühlens zu beobachten. Man lernt alles über körperliche, affektive, geistige und moralische Reifungsprozesse. Man lernt zu verstehen, was mit einem geschieht. Man lernt, die Lebensphasen in ihrer Bedeutung zu verstehen. Man lernt, wie man mit der eigenen Entwicklung umgehen kann. Man lernt Selbstkompetenz.

"Lernen, wie man Partnerschaft oder Familie gestaltet. "

Niemand ist eine Insel. Wir leben in Partnerschaften und Familien. Aber man muss lernen, wie man eine Partnerschaft lebt, was es braucht, um Partnerschaften und Familienleben zu gestalten.

Pädagogikunterricht klärt über Geschichte und Gegenwart sozialer Lebensformen auf. Er zeigt, wie die heutigen Formen des Zusammenlebens entstanden sind, welchen Sinn sie haben und welchen Veränderungen sie unterliegen. Er erklärt auch, wodurch Beziehungen gefördert und wodurch sie gefährdet werden.

"Lernen, wie man richtig lernt".

Lernen muss jeder. Aber nicht jeder weiß, wie man richtig lernt. Welche Lerntechniken gibt es? Was ist überhaupt "Lernen"? Unsere Gesellschaft braucht Menschen, die eine Menge vom Lernen verstehen.

Im Pädagogikunterricht erfährt man alles über die Grundlagen des Lernens - und damit viel über sich selbst. Man lernt, wie man sein eigenes Lernen verstehen und verbessern kann.

"Lernen, wie man Lernprozesse für andere gestaltet. "

Kommunizieren, informieren, mitteilen und erklären: Dies geschieht jeden Tag. Mehrfach. Und nicht nur im Berufsleben.

Im Pädagogikunterricht erfährt man, wie man diese Lernprozesse vernünftig gestaltet - wie man es anderen ermöglicht oder erleichtert zu lernen.

"Lernen, wie man Gruppen zusammensetzt und leitet."

Wir leben nie allein. Menschen leben miteinander. Teamarbeit hat deshalb einen hohen Stellenwert, in der Familie, im Beruf, in Vereinen und Verbänden, in Freundeskreisen. Gemeinsam geht es meistens besser. Im Pädagogikunterricht lernt man, wie man in Gruppen kooperieren kann, wie man Teams bildet oder Teams leitet, wie man die Arbeit im Team gestaltet und verbessert.

"Verantwortung lernen!"

Wir alle müssen im Leben Verantwortung übernehmen: Verantwortung für andere Menschen, für die Arbeit, die man ausführt, und für sich selbst.

Pädagogikunterricht zeigt auf, wie Menschen lernen können, Verantwortung zu übernehmen. Er kann veranschaulichen, wie Menschen soziale und moralische Verantwortung altersgemäß und in Entwicklungsstufen mehr und mehr übernehmen können. Pädagogikunterricht macht verantwortungsfähig.

"Woher - wohin? Auf der Spur des eigenen Bildungsweges. "

Menschen fragen sich oft, wer sie sind und wer sie sein wollen. Und sie suchen nach Wegen und Möglichkeiten, die werden zu können, die sie werden wollen.

Pädagogikunterricht hilft zu verstehen, warum man der geworden ist, der man ist. Pädagogikunterricht eröffnet aber auch Perspektiven, wie man sich ändern und neue und andere Lebenswege beschreiten kann. Pädagogikunterricht hilft den eigenen Lebensweg zu gehen.

"Bildung in der Mediengesellschaft. "

Von der Morgenzeitung und dem Frühstücksfernsehen bis zur Late-Night-Show, von den Nachrichten bis zur politischen Diskussion, vom Buch bis zum Internet werden uns Nachrichten, Informationen und Meinungen präsentiert. Alles ist möglich - und deshalb muss man lernen, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen.

Im Pädagogikunterricht lernt man, die Wirkungen und Auswirkungen von Medien für unser Denken und Fühlen zu durchschauen So lernt man auch mit Bildungsmedien umzugehen, sie richtig für eigene Lernprozesse zu gebrauchen.

"Zeitgemäß pädagogisch denken. "

Die Wissenschaften, die sich mit Pädagogik beschäftigen, haben in den letzten Jahren ein unermessliches Wissen erarbeitet und bereitgestellt. Soll dieses für den Alltag wichtige Wissen genutzt werden können, muss man es der nachfolgenden Generation rechtzeitig und auf angemessene Weise zur Verfügung stellen. Man muss sie lehren, was man über pädagogische Sachverhalte wissen kann und wissen sollte - und wie man an dieses Wissen gelangt.

Pädagogikunterricht führt in ein zeitgemäßes pädagogisches Wissen ein und macht so kompetent für pädagogisches Urteilen und Handeln in der Gegenwart.

"Pädagogikunterricht bietet Vorratswissen!"

In der Schule lernt man, für zukünftige Situationen gewappnet zu sein. Man lernt auf Vorrat. Weil niemand weiß, was einen später einmal erwartet.

Im Pädagogikunterricht lernt man, sich auch auf solche erzieherische Herausforderungen einzustellen, die man heute noch nicht absehen kann. Alle Menschen müssen im Leben pädagogisch handeln, sei es privat, sei es beruflich: Dafür muss man vorbereitet sein und sich vorbereiten. Das geht nur im Pädagogikunterricht.

"Wenn der Staat sich zurückzieht, muss man die Bürger stärken!"

Der Staat kann nicht mehr alles finanzieren. Er fördert, wo er kann, aber er fordert von den Bürgerinnen und Bürgern auch Initiative. Nur muss man lernen, die Anforderungen auch aufnehmen zu können. Somit muss man auch lernen, pädagogische Herausforderungen bewältigen zu können.

Im Pädagogikunterricht erwirbt man Kenntnisse und Handlungsorientierungen, die in Erziehungssituationen angemessen sind. Die Schüler werden auf eine Gesellschaft vorbereitet, in der man selbst anpacken muss, wenn man etwas vernünftig gestalten will. Das betrifft auch pädagogische Aufgaben. Staatliche Institutionen können nicht alle erzieherischen Aufgaben übernehmen, den größten Teil der erzieherischen Verantwortung müssen immer die Menschen selbst in ihrem Alltag - ob als Eltern, als Nachbar, in Vereinen oder Freundeskreisen - tragen. Darum müssen auch alle Menschen über Erziehung Bescheid wissen.

Quelle:

Verband der Pädagogiklehrer